Konfliktbehandlung an Schulen

Ausgehend aus den Erfahrungen aus dem Täter-Opfer-Ausgleich nach dem Jugendstrafrecht, entwickelten die Mitarbeiterinnen der BRÜCKE e.V Mitte der 90er Jahre eine Projektkonzeption, mit deren Realisierung Gewaltprävention an Schulen erreicht werden sollte.

..."Die Mitarbeiterinnen beobachten in den letzten drei Jahren eine stetige Zunahme von Fällen, bei denen es um Straftaten auf dem Schulweg, im Schulgebäude oder im Pausenhof geht. Es sind alle Schultypen ( Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien und auch Berufsschulen ) vertreten....

In der Regel kommt es zur Anzeige auf Grund großer persönlicher und rechtlicher Unsicherheiten der Betroffenen oder deren Lehrer. Zumeist ist der Ruf nach einem offiziellen Vorgehen der Versuch, einen belastenden Zustand endlich abzustellen. Die bei uns bearbeiteten Straftaten haben fast alle eine längere, konfliktbesetzte Geschichte im Hintergrund, die oft das eigentliche Thema des Täter-Opfer-Ausgleiches ist. ...

Es zeigt sich uns in den Gesprächen mit den betroffenen Schülern, dass sie sehr deutlich Stigmatisierung, Problematisierung Isolierung und Ausgrenzung erleben. in dem Maße in dem sie sich als Störer ausgegrenzt und sanktioniert sehen, wächst ihre Agression und Gewaltbereitschaft erneut an. Die Ängste des Opfers oder auch potentieller neuer Opfer bleiben jedoch meist unberücksichtigt....

Durch die allgemeine Tendenz , den warnenden und mahnenden Zeigefinger gegen die Lehrer zu erheben, wird die Problematik mit Sicherheit nicht entschärft. ...

Trotzdem kann man sicher davon ausgehen, dass die Schule, als zentrales Lebensfeld der Jugendlichen zumindest die Chance hat, für die jungen Menschen erlebbar zu machen, wie ein gewaltfreier Umgang mit Konflikten aussehen kann.

Ein anderer, konstruktiver und sachgerechter Umgang mit Konflikten an Schulen tut not, weil Belehrung gegen Erfahrung nicht ankommen kann!"

(Auszug aus dem Vorwort zur ersten Fassung der Konzeption "Konfliktbehandlung an Schulen")

Methodisch basierte das damalige Konzept im Wesentlichen auf zwei Ansätzen. Ausgehend von der Methode der Mediation, wie wir sie im Täter-Opfer-Ausgleich bereits praktizierten, setzten wir darauf, diese Form des gewaltfreien Konfliktmanagements mittels der Peer-Education in den Alltag der Schule zu integrieren. Das Schüler-Streitschlichter-Training stellte folgerichtig das Kernstück unserer konzeptionellen Überlegungen dar.

Schulmediation ist augenblicklich in aller Munde und scheint mancherorts nahezu als Patentrezept zur Gewaltprävention an Schulen gehandelt zu weden. Auch nach nunmehr vier Jahren praktischer Arbeit sehen wir in der Kombination der Ansätze Meditation und Peer-Education eine wirkungsvolle pädagogische Strategie. Allerdings hat die Praxis uns auch gezeigt, dass Peermediationen an Schulen als erster Schritt hin zu einer neuen Konfliktkultur an einer Schule sehr oft verfrüht ist. Durch unsere anderen Angebote, die z. T. dem Schüler-Streitschlichtertraining vorgeschaltet sind oder diese begleiten, bereiten wir zunächst den Boden für die Peer-Mediation.